Zeichen der Kapitulation

Dürener Schulen zeigen die weiße Fahne

Bei einer Mitgliederbefragung von September 2020 in Schleswig-Holstein wurde klar festgestellt, dass die zusätzliche Belastung durch Corona ein enormes Ausmaß angenommen hat. »Schon vor Corona haben Lehrerinnen und Lehrer zu viel gearbeitet. Corona hat ihre Arbeitsbelastung jetzt noch einmal enorm ansteigen lassen. Die durch Corona hervorgerufene Mehrbelastung können sie aber nicht on top leisten«, bewertete die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke die Ergebnisse der Befragung. Hierzulande ist die Situation nicht anders. Aber neben den zusätzlichen Herausforderungen ist es auch die unverfrorene Art des Umgangs mit den Beschäftigten, die sauer, ungläubig und ratlos macht.
Zeichen der Kapitulation

Das ist der Gipfel

Eine am Dienstag, den 25.01.2022 um 22:13 Uhr verschickte Mail vom MSB an die Grundschulen erklärt, wie am darauf folgenden Tag mit den Corona-Tests weiter verfahren werden soll. Nachdem Lolliprojekt 2.0 trotz der hoffnungsvollen Bezeichnung von Anfang an nicht rund gelaufen war, wurde jetzt über Nacht eine blitzschnelle Umsetzung von den Schulleitungen eingefordert. Aber auch die ständige Bereitschaft der Schulleitungen konnte nicht verhindern, dass die Presse mal wieder zuerst informiert wurde.

Was erwartet man nun vom Lehrpersonal? Nachdem Frau Yvonne Gebauer das nach den Weihnachtsferien ins Leben gerufene Testprogramm Lolliprojekt 2.0 nach gut zwei Wochen für gescheitert erklärt hat, was angesichts der Steigerungsrate der Infektionszahlen schon mit Leichtigkeit in den Ferien hätte vorausberechnet werden können, fordert sie nun die LehrerInnen dazu auf, positive Pools am nächsten Tag nachzutesten. Dies bedeutet, dass man in einer Klasse mit mindestens einem infizierten Kind die Masken abnimmt, um einen Nasenabstrich zu machen, in der Hoffnung, das entsprechende Kind herauszufinden. Das gelingt aber oftmals nicht, weil die Schnelltests eine deutlich geringere Senstivität als die PCR-Tests des Pools aufweisen. Also gehen die infizierten Kinder solange zur Schule, bis ein Test anschlägt. Dies kann durchaus auch mal eine Woche sein. Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit: Eine Kontrolltestung an einer Teststelle. Hier haben wir aber das gleiche Problem mit der geringeren Sensitivität. Bei einem Schüler ließen die Eltern nach dreimaligem positiven Testergebnis an der Schule ihren Sohn dreimal an einer Teststelle »freitesten«.

Es war schon mal besser:

Bevor die Lollitests eingeführt wurden, gab es Schnelltests für SchülerInnen, die kritisiert wurden, weil sie nicht kindgerecht waren. Die jetzt eingesetzten Schnelltests weisen in der Regel zwei »Verschlimmbesserungen« auf: Erstens sind sie einzeln verpackt und erzeugen ein Vielfaches an Müll. Wenn die Lehrkräfte nach dem Öffnen der Packung jedesmal noch die Gebrauchsanweisung studieren, die wahrscheinlich meistens sehr ähnlich ausfällt, bleibt fürs Unterrichten noch weniger Zeit. Zweitens sind die bereits befüllten Teströhrchen von Kindern definitiv nicht mehr handhabbar. Die Trägerflüssigkeit hängt oft an der falschen Seite und die Verschraubung zu lösen ist selbst für Erwachsene eine Herausforderung. Vereinzelt kommen hier Zangen zum Einsatz.

Schulen hängen weiße Fahnen raus

Zunehmende Beteiligung findet die Idee der weißen Fahnen, die am Mittwoch nach der Bekanntgabe der neuen Maßgaben ins Leben gerufen wurde. Es schließen sich aber nicht nur immer mehr Schulen der Aktion an, auch Kinder mit weißen Tüchern an den Ranzen und Eltern, die ebenfalls aus Solidarität die weiße Fahne zeigen. Die Eltern bemängeln außerdem das ständige hin und her. Was gestern noch galt, ist morgen schon wieder überholt. Dadurch haben sie keine Planungssicherheit.

Als Zeichen der Kapitulation sollen die EntscheidungsträgerInnen mit dem stummen Protest darauf aufmerksam gemacht werden, dass eine Belastungs- und Zumutbarkeitsgrenze überschritten worden ist.

GEW Düren Fachgruppe Grundschule
Bernd Cremer