Jahreshauptversammlung 2018 im KOMM

Am 12.04. lud die Bildungsgewerkschaft zur jährlichen Hauptversammlung ins Dürener Komm. Den Auftakt bildete die Ehrung von Jubilarinnen und Jubilaren – insgesamt 65 Mitglieder feierten ein rundes Jubiläum ihres Eintritts in die GEW, 22 sind schon 40 Jahre, 3 sogar 50 Jahre oder länger dabei.

Datenschutz an Schulen: Ein heikles Thema

Inhaltlicher Schwerpunkt war einerseits die Auseinandersetzung mit den neuen Vorgaben des Ministeriums zum Datenschutz, die es praktisch unmöglich machen, personenbezogene Daten zu Schülerinnen und Schüler auf den Privatgeräten der Lehrkräfte zu speichern. Thorsten de Jong, Mitglied des Leitungsteams, betonte, dass Schülerinnen, Schüler und natürlich auch die Eltern zu Recht erwarten, dass die Daten optimal geschützt werden. Andererseits fehlen den meisten Lehrerinnen und Lehrern die technischen Kenntnisse und Möglichkeiten, diesen Erwartungen zu entsprechen. Grund hierfür sei, dass das Land seit Jahrzehnten nicht bereit ist, auch nur einen einzigen Cent in die Ausstattung von Lehrkräften mit Computern und Software zu stecken. »Jetzt soll alles ganz schnell digitalisiert werden, und zwar gemäß hoher Datenschutzstandards – kosten darf es aber nach wie vor nichts« fasste er das Problem zusammen.

Lehrerinnen und Lehrer werden vom Dienstherrn allein gelassen und vor die unmögliche Wahl gestellt, entweder den Datenschutz – immerhin ein Grundrecht – zu vernachlässigen oder wie zu Lehrer Lämpels Zeiten persönliche Daten ausschließlich mit Papier und Stift zu verarbeiten. Eine moderne Schule, die auf genaue Dokumentation und regelmäßigen Informationsaustausch innerhalb des Kollegiums und mit Eltern setzt, ist so undenkbar.
»Die einzige vernünftige Lösung«, so de Jong, »besteht in der Ausstattung der Lehrkräfte mit Dienstgeräten und dienstlicher Software.« Nur der Dienstherr oder Schulträger haben die Expertise, Geräte zuverlässig gegen Datenverlust abzusichern.

Lesung: »Ali und Anton – Wir sind doch alle gleich«

Zweiter Schwerpunkt des Abends war eine Lesung des deutsch-türkischen Autors Ahmet Özdemir. Eigentlich stand sein Kinderbuch »Ali und Anton – Wir sind doch alle gleich« auf dem Programm, aber angesichts der reichlich anwesenden Lehrkräfte ließ es sich der Autor nicht nehmen, auch aus seinem Werk »Irritiert statt integriert« zu lesen und von seinen Erfahrungen als Schüler im deutschen Schulsystem zu berichten. Mancher mag sich schon gedacht haben, dass in der Schule der 70erjahre nicht alles auf gute Integration ausgerichtet war, das von Özdemir geschilderte Maß an persönlich erlebter Ungerechtigkeit und Demotivation war dann aber doch für alle Anwesenden überraschend. Angesichts der Herausforderungen bei der Integration von Geflüchteten ist das Thema heute aktueller denn je und es ist sicher eine gute Idee, die Bedeutung diskriminierungsfreier Erziehung erneut ins Bewusstsein zu rufen.

Thorsten de Jong
Mitglied Leitungsteam